Sportjournalismus und Vereins-PR (Rund um Fußball)

MPO @, Fürth, Freitag, 03.05.2019, 10:57 (vor 45 Tagen) @ Handgottesseinvater

da liegt der systemhase im pfeffer: Wenn information ware ist, muss man sie verkaufen. das passt zwar genausowenig, wie wohnraum zur ware zu machen – heisst aber nicht, dass es nicht passiert.

Das ist ziemlich gut formuliert. Und bitter.

kritische öffentlichkeit heisst demgegenüber, zu differenzieren – was nur mit der von dir eingeforderten sachkunde geht. ein guter sportjournalist muss m.E. nicht nur fachlich fit sein, sondern das was auf und neben dem platz passiert auch noch gesellschaftlich einordnen. oder zumindest einordnen können, denn nicht jeder kreisklassebericht muss adorno zitieren.

Eine gewisse Sachkunde sollte immer vorhanden sein bei dem Thema, über das man berichtet. Auch, um die neutralen, manchmal auch geschönten Informationen von (bleiben wir beim Sport, da bin ich relativ griffig) Vereinen etwas auseinanderzunehmen und den wahren Kern rauszuholen.

Und ja, auch das "gesellschaftlich" einordnen finde ich einen ziemlich guten Punkt. Im Sport hält man sich noch relativ gut in Sachen Ausländerfreundlichkeit und Multikulti, wobei auch da immer mal wieder so Sachen wie "Mainz hat mehr Spieler vom Kongo als Rheinhessen" durchbrechen. Ausserhalb des Sports wird das aber stetig krasser.

ohne den aktiven journalist*innen zu nahe treten zu wollen, aber recherche und hintergrundkenntnis braucht zeit. wo soll die herkommen, wenn journalismus letztlich nach renditegesichtspunkten betrieben werden muss?

Gibt 2 Zielpunkte: Erster und "Bester". Letzteres halt wieder unter den Vorgaben, was sich eben gut verkauft. Witzigerweise: Journalisten, die sich intensiv mit dem Thema Fußball (konkret: auf dem Platz) beschäftigen, bleiben dann auch nicht lange Journalisten. Siehe Spielverlagerung.de, wo die erste Autorenriege mittlerweile nicht mehr schreibt. Einer ist demnächst (hochdotierter) Co-Trainer bei Gladbach, ein anderer vielgefragter Buchautor, andere trainieren auch stetig höherklassig. Und die meisten arbeite(te)n schon nebenher für professionelle Analyse-Firmen. Es steckt da einfach absurd viel Geld drin. Wer lange Sportjournalist bleibt, zeigt vor allem, dass er nicht für viel mehr taugt als für den Boulevard. Ganz böse gesagt: Was Rehberg so schreibt, krieg ich auch noch hin.

ich vermute, dass letztlich auch hier unter jede menge druck gearbeitet werden muss und nicht alle, die im tv auftreten so blöd sind, wie sie oft rüberkommen...

Ich denke, teils-teils. Opdenhövel, der ja durchaus als Fußballfan gilt, ist im Niveau auch extrem schwach und kommt über Phrasen nicht hinaus. Und verfolgt auch eher die Hetzerlinie (und auch nur mit Phrasen, nicht fachlich-kritisch). Vor die Kamera oder ans Mikrofon kommst du halt auch nur als Verkäufer von heißer Ware. Und deswegen landen da meistens Heißmacher, und keine Fachleute.

zur rolle der vereine:
der sportjournalismus erinnert teilweise an den "embedded journalism", der mit dem irakkrieg 2 geboostet wurde. (und: natürlich kann man das vergleichen, auch wenn der vergleich hinkt.)

Es geht eben auch einfach viel um die Deutungshoheit. Stand der Dinge kannst und darfst du diese nicht den Medien überlassen. BILD & Co. haben gezeigt, dass komplette Vorgänge ins Gegenteil verdreht und "verkauft" werden, weil es gegen ihre Interessen ging. Ergo muss man quasi dafür sorgen, dass entgegengesteuert wird.*

Wir haben selbst vor kurzem einen kleinen Medienkrieg in Mainz gehabt, wo dann bestimmte "Journalisten" dann massiv Stimmung gemacht haben. Obs zum Guten war, sei mal dahingestellt. Das Ergebnis ist irgendwo in Ordnung, aber das, was medial da inszeniert wurde, fand ich definitiv nicht ok. Zudem war es offensichtlich, dass bestimmte Leute, die an Posten interessiert waren, da auch kräftig mitgeholfen und gefüttert haben. Die Nach-23-Uhr-Infos an den Kicker bspw. sind da schon eine Aussage...

* = Deswegen widerspreche ich auch hier so oft und so massiv Leuten, die primär nur pöbeln oder Dinge als "wahr" und gesetzt beschreiben, die so eben nicht sind. Wenn man nur solchen Leuten (wie auf Facebook) den Platz überlässt, dann ist das so ein bisserl wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Es ist wichtig, dass man seine eigene Meinung kund tut, auch wenn man dafür (verbal) auf die Fresse kriegt. Das schließt auch eine Pöblermeinung ein, aber es gibt große Unterschiede zwischen Pöbeln/Beleidigen und konstruktiver/respektvoller Kritik. Letzteres ist wichtig.

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